Ziele

Zum Einstieg möchte ich den Begriff Ziel bildlich am Beispiel des Bogenschießens beschreiben.
Beim Bogenschießen ist das klare Ziel, ins Gelbe zu treffen. Dafür muss ich mich konzentrieren, ruhig atmen, das Ziel visualisieren und im richtigen Moment die Sehne loslassen. Dann kann ich den Pfeil nicht mehr beeinflussen, er fliegt und trifft oder eben nicht.
Nun gibt es eine große Anzahl von Störfaktoren. Es geht los mit meinem Material. Ist der Bogen in Ordnung? Stimmt die Justierung des Visiers? Ist der Pfeil in Ordnung? Hat  er heile Federn? Und geht weiter mit meiner Fähigkeit, richtig zu zielen, mich zu konzentrieren, ruhig zu atmen und im richtigen Moment los zu lassen.
Aber auch dann ist es nicht vorbei. Jetzt kann noch ein Windstoß kommen und egal, wie gut die gesamte Vorbereitung war, das Ziel treffe ich wahrscheinlich nicht.
Das Schöne an diesem Beispiel ist, dass ich mein Ziel genau kenne. Außerdem kann ich die meisten Störfaktoren gut kontrollieren.
Was nicht in meiner Macht liegt, sind der Wind oder eine Biene, die mich stört. Dagegen bin ich absolut hilflos.

Was können wir vom Bild des Bogenschiessens für unsere Zielkompetenz lernen?

Oft passiert es, dass der erste wichtige Schritt übersprungen wird, nämlich sein Ziel klar zu definieren: „Ich möchte ins Gelbe treffen!“
Wenn ich das nicht mache, wie soll ich dann treffen? Oder im übertragenen Sinn meine persönlichen, universitären oder beruflichen Ziele erreichen?

Auf diesen Prozess, das Ziel klar festzulegen, möchte ich nun näher eingehen. Man fängt also bei sich selbst an: „Was sind meine Ziele?“ oder „Was ist mein momentanes Ziel?“ Das klar zu sagen, ist meines Erachtens ziemlich schwer. Unser ganzes Leben werden uns Ziele vorgegeben. Im Kindergarten müssen wir basteln, oft nicht das, was uns gefällt sondern das, was uns vorgegeben wird. In der Schule müssen wir Schreiben, Lesen und Rechnen lernen. Keiner fragt, ob wir das wollen. Es gehört in unserer Gesellschaft einfach dazu, also müssen wir. Am Ende der Schulzeit sollen wir unseren Schulabschluss machen. Und so weiter. Das sind alles Ziele, die nicht unbedingt von uns selbst kommen.

Worauf ich hinaus möchte ist: Wenn wir unser ganzes Leben darauf hin geschult werden, Ziele unserer Eltern, unserer Kindergärtnerinnen und später unserer Lehrerinnen zu verfolgen und zu erfüllen, könnte es sein, dass wir erstmal lernen müssen, zwischen vorgegeben und unseren eigenen Zielen zu unterscheiden.

Zwischen tiefen persönlichen Zielen und gesellschaftlich akzeptierten und vorgegebenen Zielen zu unterscheiden ist also ein anspruchsvoller Lernprozess, aber ich denke er lohnt sich.
Also geht es hier zunächst um die Frage: „Was will ICH wirklich?“

 H. J. R.

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